[Rezension] Die erste Lüge

Sonntag, 4. Dezember 2016




Meine Rezension ist spoilerfrei.

1997 – Oskar, Rikard und Jones vergewaltigen die 16 jährige Josefin, nachdem sie alle zusammen reichlich Alkohol und Drogen konsumiert haben. Josefin erstattet auf Drängen ihren Freundin Camille Anzeige und erlebt davor wie danach die reinste Tortour. Denn alle drei jungen Männer werden freigesprochen, obwohl einer davon sogar mitten im Prozess seine Aussage ändert und auch die Polizei massenhaft Fehler begangen hat.

2010 – Oskar ist verheiratet, hat zwei Kinder, lebt in der Oberschicht und betreibt einen Blog übers Vater-sein. Doch der Schein trügt, nach außen hin wirkt er wie ein Familienvater doch hinter verschlossenen Türen zeigt er sein wahres Gesicht. Den Familienurlaub in Thailand verbringt er die meiste Zeit betrunken in Bars und in den Betten Prostituierter. Ein Abend wird ihm zum Verhängnis, als er wieder eine Frau misshandelt, wird er zusammen geschlagen und selbst verletzt. Zuhause in Schweden wartet die nächste Überraschung auf ihn und auch seine Frau scheint endlich zu kapieren, was für einen Typ Mann sie geheiratet hat.

Rikard ist inzwischen Alkoholiker geworden und hat mehrere Drogen Entzuge hinter sich. Doch er hat noch ein bitteres Geheimnis zu offenbaren. Jonas scheint als einziger wirklich Reue zu empfinden, aber auch er hat über die Jahre gelernt zu verdrängen was er mit seinen Freunden einem jungen Mädchen angetan hat. Obwohl er immer wieder kurz davor ist seiner Freundin Mia und Mutter seines Sohnes alles zu beichten was damals vor dreizehn Jahren passiert ist, ist er immer noch viel zu feige um sich der Wahrheit zu stellen.

Als plötzlich Fotos von damals auftauchen, werden die drei Männer vor die Frage gestellt: herausfinden wer die Fotos geschickt hat oder die Schuld zugeben?

Sara Larssons Debüt ‚Die erste Lüge‘ ist ein emotionaler, komplexer und vielschichtiger Krimi Roman. Ich bin begeistert darüber, wie viele Male sie kurz vor der Auflösung nochmal überraschende Wendungen platzierte und somit unvorhersehbar wurde. Die Autorin lässt in Rückblenden die Geschichte von Josefin selbst erzählen, dazwischen immer wieder Handlungen aus der Gegenwart, überwiegend von Oskar aber auch Jonas kommt zu Wort. Durch diesen Erzählstil nimmt die ganze Geschichte rasant an Spannung auf und man ist stellenweise richtig schockiert, wütend und traurig.

Am beeindruckendsten fand ich die Entwicklung von Veronica, Oskars Frau. Vom Duckmäuschen zur Feministin. Ich habe mich über ihre Charakterentwicklung sehr gefreut, es ist schön mal zu lesen, dass Frauen nicht immer in der Rolle der Hausfrau und Ja-Sagerin bleiben. Die Autorin legte generell großen Wert darauf, Frauen nicht in eine altertümliche Rolle zu drängen. Das dazu mehr gehört als nur ein Gender Studium sollte klar sein, aber ich sehe es als den richtigen ersten Schritt an.

Abschließend kann ich sagen, dass mir mein erster schwedischer Krimi richtig gut gefallen hat. Die Mischung aus bedrückender Thematik, alltäglichem Setting und teils paranoider Charaktere war genau richtig gewählt. Vielschichtig ausgearbeitet mit einigen Wendungen – was will man als Leser mehr.
















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